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Bücher fallen nicht vom Himmel – Strategien und Methoden der aktiven Medienarbeit

Das KS:NUE Fachforum „AK Kultur und Schule“ tagte am 27. Juni 2013 im KinderKunstRaum im Kachelbau 

Stefan Salamonsberger vom Projekt „Abenteuer Buch“ der Buchwissenschaft der FAU Erlangen- Nürnberg stellte sich der Frage, wie Bücher in vielfältiger und kreativer Weise zu einer umfassendem Medienbildung beitragen können. Das Projekt „Abenteuer Buch“ beschäftigt sich mit Strategien der Medienbildung, deren Handlungsfelder, Umsetzung und Evaluation. Ausführlicher Text PDF

Medienkompetenz hat aktuell einen hohen Stellenwert in Forschung, Politik und Gesellschaft. Konsens besteht bei den Maßnahmen der Leseförderung und Medienbildung. Über das Ausmaß und Art der Vermittlung gehen die Vorstellungen jedoch auseinander. 

Wie  kann das Medium Buch also zu einer umfassenden Medienbildung beitragen?

Lesen ist ein primäres Ziel von Bildung. Es dient dem Wissenserwerb und der Persönlichkeitsentwicklung durch literarisch-ästhetische Beschäftigung. Seit PISA ist es ein Indikator für die Leistungsfähigkeit von internationalen Bildungssystemen. Dabei werden Lesekompetenz und Medienkompetenz (häufig nur mit digitalen Medien verbunden) inflationär benutzt. Bei der Medienbildung bewegen sich die Studien im Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken im Umgang vor allem mit digitalen Medien.  Medienbildung unter der drohenden digitalen Spaltung der Gesellschaft, muss aber ebenso im öffentlichen Diskurs stehen wie Sicherheits-, Gewalt- und Suchtthematiken. Die formalen Bildungsinstanzen müssen auf beides reagieren.

Der explizite Auftrag, die Lesefähigkeit zu verbessern, folgte als Konsequenz auf die PISA-Studien. Projekte, wie das KMK-Projekt „Pro Lesen“, leisten durch Qualitätsentwicklung und –sicherung einen Beitrag zur Schulentwicklung. Eine Experten-Kommission des BMBF empfiehlt einen kontinuierlichen Prozess der Medienbildung, Fächer und Jahrgangsstufen übergreifend. Das ISB setzt auf Referenzschulen für Medienbildung, etc. Studien, wie die JIM und KIM Studie,  bieten seit 1998 kontinuierlich repräsentatives Datenmaterial, die zeigen, dass mittlerweile fast in allen Haushalten mit Kindern und Jugendlichen Vollausstattung mit allen Medien besteht (Computer mit Internet, Fernseher, Handy...) - und dennoch hat das Lesen einen festen Stellenwert im Alltag jüngerer Kinder.

Freude und Lust am Lesen steht des bildungspolitischen Absicht nach Erwerb und Ausbau der Lesefähigkeit nicht entgegen. Zum Erlangen von Lesekompetenz sind heute keine Bücher notwendig. Medienkompetenz meint meist den verantwortungsvollen und souveränen Umgang mit digitalen Medien. Gerade Bücher und die Beschäftigung mit dem Themenfeld Buch aber eignen sich besonders für einen ganzheitlichen Ansatz um Lese- und Medienkompetenz zu verknüpfen. Aktive Medienarbeit, wie es das Projekt „Abenteuer Buch“ verfolgt, schafft „Ergebnisformen, die als Initiativbausteine für die unmittelbare pädagogische und didaktische Arbeit genutzt werden können. Beispiele anwendungsorientierter Projektarbeit: Das „Abenteuer Buch Jahr“ „Abenteuer Buch Aktionen“ im Elementarbereich, KinderUni Vorlesungen und Seminare in Grundschule/ Sekundarstufe 1 mit Themen wie „Von Notiz-Knoten, Stein-Message-Service und Vogelgezwitscher“, „Gesucht wird...Robinson Crusoe“, „Bücher fallen nicht vom Himmel“ oder Kooperationen im Rahmen von W- und P-Seminaren... Finanzielle Förderungen hinken bei der aktiven Medienarbeit allerdings hinterher.

Fazit

Aktive Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen kann alle medialen Formen einbeziehen (Schreiben, Drucken, eigenes Buch produzieren, Hörspiel, Internet, Blog, E-Reader...) und somit einen wichtigen Beitrag zur Lese- und Medienkompetenzförderung leisten. Bündnisse und Verzahnungen zwischen den Bildungsträgern (außerschulisch, schulisch) sind notwendig. Die finanzielle Förderung allerdings, hinkt der aktiven Medienarbeit hinterher.

Diskussion

Die Diskussion rankte sich um die Handlungsfelder der formalen und informalen Bildung.

  •  „Schreiben lernen durch Schreiben“. Es wurde festgestellt, dass heute in der Grundschule weniger geschrieben wird als früher, obwohl „Kreatives Schreiben - Text planen, schreiben, überarbeiten“ im Lehrplan enthalten ist. Es ist wichtig ein richtiges Schriftbild zu vermitteln, z.B. mit der Einführung eines „Schönhefts“.
  • Die Schule beschäftigt sich mit dem „Problem“ Rechtschreibung. In „Kreativen Schreibwerkstätten“ mit Autorinnen und Autoren wird Grammatik und Rechtschreibung hinten angestellt. „Ins Schreiben kommen“ steht im Vordergrund.
  • „Wer viel liest schreibt besser“ ist wohl ein Gerücht. Trotzdem sind Schulbibliotheken ein niedrig-schwelliges Angebot für Schülerinnen und Schüler, die initiativ werden wollen.
  • Bei Autorenlesungen entsteht über die Begegnung mit der authentischen Person Lesemotivation.
  • Medienzimmer in der Schule mit neuen und alten Medien laden zur Kommunikation, Gestaltung und Selbstaneignung von Kompetenzen ein.
  • Ein Bücher-Mitbringtag mit Buchvorstellung setzt an den Interessen der Kinder und Jugendlichen an.
  • Die „Mobile Buchwerkstatt“ des KUF, KinderKunstRaum (gespendet vom Rotary Club Nürnberg-Sebald“) kann ab September 2013 Buchprojekte vom Schreiben bis zum Binden vor Ort an Nürnberger Schulen durchführen. Handreichung (PDF)

Die Zusammenarbeit von Kulturpädagogik und Schule zur Förderung von Lese- und Medienkompetenz kann gegenseitig befruchten und ergänzen.