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Chancengerechtere Bildung durch Teilhabe an Kultureller Bildung

Der KS:NUE Arbeitskreis Kultur und Schule tagte am 27. März 2012 im Foyer des Heilig-Geist-Saals, der u.a. von der Hochschule für Musik bespielt wird.

„Kulturelle Bildung ist Bildung zur kulturellen Teilhabe. Kulturelle Teilhabe bedeutet Partizipation am künstlerisch kulturellen Geschehen einer Gesellschaft im Besonderen und an ihren Lebens- und Handlungsvollzügen im Allgemeinen. Kulturelle Bildung gehört zu den Voraussetzungen für ein geglücktes Leben in seiner personalen wie in seiner gesellschaftlichen Dimension. Kulturelle Bildung ist konstitutiver Bestandteil von allgemeiner Bildung.“ (Bundeszentrale für politische Bildung)

Dr. Ulrich Glaser vom Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg stellte die Ergebnisse der Nürnberger (Wohaus) Repräsentativumfrage 2009/ 2010 zum Thema Kulturnutzung von Kindern und Jugendlichen in Nürnberg vor (Rücklauf 828 von 2000 befragten Haushalten). Referat und detaillierte Ergebnisse der Studie hier zum Nachlesen PDF

Ist das Ziel Teilhabe an kultureller Bildung für alle Kinder unabhängig von Herkunft und finanziellen Möglichkeiten bereits erreicht? Bemerkenswert ist, dass kulturelle Bildung häufig aus Sicht der Produzenten, Institutionen und Rezipienten betrachtet wird und weniger aus der von Nicht-Rezipienten. Wer nutzt also kulturelle Angebote nicht? 42 %  sind Nichtnutzer, nur 8 % der Befragten sind Stammnutzer (davon haben 80 % einen Hochschulabschluss) und 50 % sind Gelegenheitsnutzer. Dagegen halten aber 80 % Kultur für wichtig und förderungswürdig. Die Nutzung kultureller Angebote von Kindern und Jugendlichen ist sehr stark vom Elternhaus abhängig.

Die Stadt Nürnberg hat im Programm gegen Kinderarmut sozialpolitische Handlungsansätze in Nürnberg in zehn Handlungsfeldern, darunter das Handlungsfeld Kulturelle Teilhabe, festgeschrieben. So soll der vereinfachte Kulturzugang für alle Kinder soll erreicht werden über Angebote in Regeleinrichtungen wie Kindergarten und Grundschulen (100 % der Kinder), über Fokussierung auf Stadtteile mit kultur- und bildungsfernen Milieus, auf Förderzentren und Hauptschulen, über Kooperationen von Trägern kultureller Bildung mit Einrichtungen, über Zusammenarbeit mit Migranten/innen-Organisationen und kostenlose Angebote bzw. niedrige Preise.

Allerdings, so wurde festgestellt, gibt es nur sehr wenig strukturell abgestimmte Angebote zur kulturellen Bildung in der Stadt. Ein positives Beispiel ist das Angebot der Stadtbibliothek, die mit der Aktion „Erstlesebuch“ 400.000 Bücher an Nürnberger Kinder verteilt. Möglich ist das nur mit Unterstützung von Sponsoren.

Ein strukturell verankertes, von Sponsoren abhängiges Projekt ist der „Nürnberger Kulturrucksack“. Das von Theater Mummpitz nach einem norwegischen Modell initiierte Kulturvermittlungsprojekt, bietet für dritte Klassen und Hauptschulklassen ausgewählter Schulen pro Schuljahr je vier Kulturbesuche und kulturpädagogische Angebote aus den Bereichen Musik, Museum, Tanz und Theater. Die Schüler/innen zahlen einen symbolischen Beitrag von 8 Euro. Resonanz und Rückmeldung der Lehrkräfte aus den Grundschulen ist sehr positiv. Ab der 8. Klasse werden aber eher Angebote der Berufsorientierung gewünscht. Im Schuljahr 2012/2013 können bisher durch das Engagement von Sponsoren 700 Kinder profitieren. 1000 Kinder sollen es noch werden. Ebenso wie KS:NUE fungiert Mummpitz mit dem „Nürnberger Kulturrucksack“ als „Agentur“, die aber weder städtisch verankert ist noch städtische Fördergelder erhält.

Das im Schuljahr 2011/2012 gestartete Projekt MUBIKIN, Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg ist mit einer städtisch finanzierten Geschäftsstelle ausgestattet. Tanja Wentzlaff-Eggebertvermittelt Module musikalischer Bildung der beteiligten Projektpartner - Musikschule Nürnberg, Hochschule für Musik Nürnberg, Musikpädagogik der Universität Erlangen-Nürnberg - im Baukastensystem in Nürnberger Kindergärten und Schulen. Das Angebot für Kinder und Pädagogen/innen ist kostenlos durch das große Engagement zweier Stiftungen. Das Projekt startete in zwei Schulsprengeln und erreicht insgesamt 460 Kinder im Alter von 4 Jahren bis zur zweiten Klassenstufe. Die Kombination von Qualifizierung der Pädagogen/innen und der Einsatz von Musikpädagogen/innen von außen in der Kernzeit der Einrichtung bzw. im Regelunterricht, soll die Kontinuität der musikalischen Bildung sichern. Sowohl produktive als auch rezeptive Teilhabe an musikalischer Bildung wird dadurch erreicht. Ziel ist, MUBIKIN in allen 51 Schulsprengeln der Stadt zu etablieren.

Fazit:

Es gibt also viele gute Ansätze Teilhabe an kultureller Bildung zu organisieren. Die Beispiele zeigen aber auch, dass die Verantwortung für Kultur und Kulturelle Bildung sich langsam verschiebt. Sponsoren, Stiftungen aber auch Ehrenamtliches Engagement rücken immer mehr in den Vordergrund. Die Aufgabe der Kommune, des Landes und des Staates ist aber Kulturelle Bildung strukturell zu verankern, damit sie ein Teil der Allgemeinbildung werden kann. Dazu sind auch Mittel zur Finanzierung von Projekten und Strukturen notwendig.

Große  Hoffnung ist mit der Entwicklung der Ganztagsschule verbunden. Das Amt für Kultur und Freizeit erarbeitet zur Zeit einen Strukturvorschlag für die Kulturelle Bildung im Rahmen der Ganztagsschule St. Leonhard.