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SchulArt – Kultur, Soziales und Schule zusammenführen

Das KS:NUE Fachforum „AK Kultur und Schule“ tagte am 28. Februar 2013 im KinderKunstRaum im Kachelbau 

Ästhetische Bildung zeigt sich in der Schule hauptsächlich als Inhalt musischer Fächer oder als Teilinhalt mancher Hauptfächer. Daneben hat sie einen anerkannten Platz als „Verschönerin“ des schulischen Lebens und im Rahmen schulischer Repräsentationen.  Ästhetische Bildung muss aber weiter greifen. Sie kann die separierten Verantwortungsbereiche (Schul)bildung, Kultur und Soziales in kreativer Weise zusammenführen.  Dazu stellte Edwin Petek, Rektor einer Grundschule und Verfasser des Booklets „SchulArt. Kunst in der Schule. Oder: Schulleiter zum Olymp!“, seine Thesen vor, die im Anschluss daran diskutiert wurden.

Teil 1

Die Pisa-Studien hatten es belegt, an deutschen Schulen gibt es Nachholbedarf. In der Folge wurde der Focus verstärkt auf MINT-Fächer und Sprache gelegt. Die musischen Fächer sind dagegen in den Hintergrund getreten. Dabei, so Edwin Petek, kann künstlerisch-ästhetische Bildung ein Vehikel für zeitgemäße Pädagogik sein. Wie Kunstideen in der Schule umgesetzt werden können, ist in seinem Büchlein nachzulesen.

Die Thesen:

 1.       „SchulArt“  (Schule als soziale Skulptur) muss gemeinsames Anliegen mit Handlungsmöglichkeiten für Kultur, Soziales und Bildung sein.

Die Entwicklungen im Schulbereich hin zur Ganztagsschule sind nur gemeinsam zu schaffen. Ästhetische Bildung  darf nicht nur als externe Anknüpfungsmöglichkeit für Kultur und Soziales zur Einflussnahme im Bildungsbereich verstanden werden.

 2.       Ästhetische Bildung ist Teil kultureller Bildung und zielt auf Teilhabe.

Kultur, Schule und Soziales beziehen sich auf kulturelle Bildung in quantitativen und qualitativen Zielsetzungen:

  • Sozialbereich - Chancengerechtigkeit und Grundsicherung, 
  • schulischer Bildungsbereich - Herausbildung rezeptiver und gestalterischer Mündigkeit,
  • Kulturbereich -  vielfältiges Angebot ästhetisch-kultureller Produktionen und Gestaltungsräume, Lebenskompetenz.

 3.       Der zeitgemäße Kunstbegriff ist sehr breit gefasst, Kunst nicht definierbar. Ein gesellschaftlich klar vorgegebenes Ziel ist deshalb ästhetisch in der Moderne nicht zu erreichen. Das lässt sich allgemein auf Bildungsprozesse der Gegenwart übertragen!

Die Handlungsfelder von Kultur, Soziales und Bildung sind von außen betrachtet „klar definiert“.  Tatsächlich befinden sie sich aber in stetigem Wandel und sind nicht voneinander zu trennen. Über das jeweilige Aufgabenspektrum und die Reichweite besteht ein eher „labiler“ gesellschaftlicher Konsens.

 4.       Kunst und Kreativität ermöglichen handlungsbezogene Lösungen

Bildung, Soziales und Kultur haben  ähnliche Handlungsprobleme, die in der Konsequenz eine eigene Ästhetik erzeugen (z.B. bröckelnde Gebäude) wie Ressourcenknappheit, steil ansteigende Leistungserwartungen, Verlust an inhaltlichen, konsensfähigen Gewissheiten und fundamentale Beschleunigungen wie schnellere Planungswechsel, institutionelle Umbrüche.

Die Folge sind grundlegende Widersprüche zwischen Ansprüchen und Realisierungsmöglichkeiten, Ideal und Wirklichkeit, Bedarf und Ressourcen.

 5.        „SchulArt“ erfordert Offenheit und Flexibilität -  das Spiel in Grenzbereichen.

Allen Akteuren ist also gemeinsam: Das Handeln wird auf allen Ebenen einerseits durch die Institution mit Hierarchien, Bürokratie, Kompetenz- und Entscheidungsspielräumen, andererseits durch die wirtschaftliche, finanzielle Ausstattung bestimmt, d.h. Arbeitsbedingungen und Reichweite der Wirkungsfelder sind begrenzt.

 6.       Schule als Soziale Skulptur – Do it! Was ist zu tun in dem Dreieck Bildung, Soziales und Kultur?

Die methodische Verwandtschaften erkennen: Ganzheitlichkeit, Anschaulichkeit, Handlungsbezug, Prozessuale Offenheit, Personenbezug, kommunikativ-soziale Dimension.

Ästhetische Erkenntnisse beim Management nutzen: „Unerfüllbarkeit“ der definierten Aufgaben, Undurchschaubarkeit der situativen Komplexität und Dynamik, Widersprüchlichkeit der Anforderungen (Sparen und Aufgabenwachstum), „Systemspalten“ bieten Entscheidungsfreiräume (Risse, Lücken, Konsensdefizite bieten subjektive Möglichkeiten).

Netze knüpfen! Pseudosystematik durchbrechen! Ideen, die den Rahmen sprengen!, Kreative Ressourcensuche, Hebel zur Realisierung finden, Handlungsträger suchen, Standfestigkeit und Kontinuität aufbringen.

Diskussion:

Ein grundlegender Widerspruch zwischen Schule und Kulturbereich ist häufig in den pädagogischen  Zielen zu finden: Schule stellt vor allem „den Erfolg fest“, Kulturarbeit geht es primär um den „Prozess zum Erfolg“.

Aber auch die Lehrpläne sind im Rollen, statt Lerninhalte werden Kompetenzziele formuliert. In Schweden gibt es Bildungspläne mit einem Umfang von 36 Seiten, in Deutschland umfasst er häufig 200 Seiten und mehr.

Verzicht auf Kontrolle wäre förderlich. Der Forderung nach Uniformität muss die individuelle Profilbildung von Schulen entgegengesetzt werden. Ganztagskonzepte dürfen nicht zum Standardbilligangebot verkommen.

Teil 2

Im zweiten Teil stellte Hans Hunglinger vom Amt für Kultur und Freizeit (KUF), Abt. kulturelle & politische Bildung, Prinzipien und Konzepte der Kulturpädagogischen Arbeit am Beispiel des KinderKunstRaums vor.

Der KinderKunstRaum ist eine Kinder- und Jugendkunstschule im Aufbau und bietet Kunst- und Kulturpädagogische Projekte  hauptsächlich für Schulen an als einfacher Zugang  zu Kunst und Kultur.

Die meist Tagesprojekte werden zusammen mit Künstler/innen entwickelt und sind als Module in einer kleinen Broschüre veröffentlicht. Ausgangspunkt ist entweder ein besonderes Material oder ein Thema. Die Bildende Kunst steht dabei im Mittelpunkt. Es wird jedoch meist Sparten übergreifend gearbeitet unter Einbeziehung von Medien, Darstellender Kunst oder interkultureller Lernansätze. 

Der Arbeitsansatz ist „nicht schulisch“, d. h. die kreative Arbeit wird nicht funktionalisiert, es gibt keine Noten. Im Vordergrund steht die Arbeit in der Gruppe: Künstler/innen machen Vorschläge, die Kinder entdecken eigene Potentiale und sollen diese ausschöpfen. Wichtig ist der Prozess, das kreative Tun und nicht nur das Ergebnis. Das schließt nicht aus, dass das Kind unterstützt wird und am Ende auf sein Ergebnis stolz sein kann.

Der KinderKunstRaum orientiert sich an den  Qualitätskriterien der, in einem Dachverband organisierten, Kinder- und Jungendkunstschulen in Deutschland:

Lebensweltlicher Bezug, Kooperation mit anderen Institutionen in Bildungsnetzwerken,  Sparten- und Medienvielfalt: Beispiel Schülerbaustelle in Kooperation mit Handwerkskammer, Architekten und Künstler/innen, (pädagogische und künstlerische)Professionalität der Künstler/innen. 

Der KinderKunstRaum arbeitet momentan in eigenen Räumen im Kachelbau und in Schulen. Perspektivisch wird er im Oktober 2015 „Auf AEG“ eigene Räume eröffnen. Im Kachelbau wird der Schwerpunkt „Druck und Buch“ verbleiben und für eine Kooperation mit der neuen Ganztagsschule St. Leonhard zur Verfügung stehen. 

Weitere Informationen: http://www.kuf-kultur.de/einrichtungen/kinderkultur/kinderkunstraum.html