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Ankommen, eine Aufgabe für die Kulturelle Bildung

Wie kann man auch ohne Sprache in Kontakt kommen?

Als Einstieg in das Thema präsentierte Heike Pourian, praktizierende Kultur- und Tanzpädagogin, Beispiele aus einer Form des zeitgenössischen Tanzes, der Contact Improvisation. „Kontakt bewegt“! Man muss nichts vom Gegenüber wissen oder die gleiche Sprache sprechen, nur spüren, auf Impulse eingehen, mit Bewegung antworten... Es geht um Wahrnehmung, Respekt und Kooperation. Heike Pourian hat vor allem auch mit Jugendlichen sehr gute Erfahrungen gemacht. heikeporian@hotmail.com

Wie ist die aktuelle Situation geflüchteter Kinder und Jugendlichen in Nürnberg?

Die größte Gruppe Flüchtender kommt momentan aus dem Kosovo, gefolgt von Syrien, berichtet Ingeborg Brandl- Herrmann vom Referat für Jugend, Familien und Soziales/ Betreuung von Flüchtlingskindern. Diese sind in 11 staatlichen und 38 dezentralen städtischen Gemeinschaftsunterkünften mit 6 bis 127 Plätzen und Sozialbetreuung untergebracht. Im Juli 2015 waren es ca. 1400 Flüchtende, davon 241 im Vorschulalter ohne Anspruch auf einen Kindergartenplatz und 378 schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Diese werden über das Einwohnermeldeamt dem Schulamt mitgeteilt und auf die aktuell 41 Übergangsklassen oder Regelklassen verteilt. Nur 5 % der Kinder kommen in Grundschulen. Die geflüchteten Kinder und Jugendlichen haben keinen Anspruch auf einen Hortplatz.  Der Offene Kinder- und Jugendbereich versucht sie in die Einrichtungen zu integrieren. Vergünstigungen des Nürnberg-Passes und BUT-Gutscheine stehen auch für sie bereit.

Integration der Kinder und Jugendlichen in die Schulen,  Beispiele von Kooperationen Kultur und Schule

Die Nürnberger Schulen haben im Grund-, Mittel- und Berufsschulbereich besondere Klassen für schulpflichtige Asylsuchende eingerichtet (Ü-Klassen, Sprachintegrations- und Sprachlernklassen).  Neu dazu kommt nun ein Schulversuch am Gymnasium.

Christoph Holzwart vom Martin-Behaim-Gymnasium koordiniert den geplanten „Seiteneinsteigerkurs am Gymnasium“, der ab September 2015 mit zwei Kursen (6.-7. / 8-9. Klasse) starten soll. Diese laufen als Sammelkurse zur Deutschförderung für maximal jeweils 16 Schüler/innen aus Mittelfranken.  Die Schüler/innen kommen von anderen Schulen und werden von diesen vorgeschlagen aufgrund von Einzelfallprüfungen. Nach sechs Monaten Laufzeit wird der weitere Schulweg entschieden. Inhalte der Kurse, die ein extremes Lerntempo vorgeben:

  • 20 Std./Woche Deutsch als Zweitsprache (DAZ)
  • Ergänzende Einführung in MINT-Fächer
  • Landeskundliches Begleitprogramm
  • Betreuung in der Mittagspause
  • Nachbereitung durch Lehrkräfte

Die Planungssituation ist unklar, da der Zuzug nicht vorhersehbar ist. Die Aufgabe besteht nun darin, genügend qualifizierte DAZ-Lehrkräfte in den Schulbetrieb einzubinden, z.B. um heterogene Klein-/ Lerngruppen bilden oder Einzelförderung anbieten zu können. Fraglich ist, wie die Elternarbeit aussehen kann, ob Schülerpaten/innen strukturell eingesetzt werden oder ob Freitagsexkursionen akzeptiert werden.

Christine Arnold ist Lehrerin an der Adalbert-Stifter-Schule und delegierte Lehrkraft am Kunst-und Kulturpädagogischen Zentrum/ KPZ für multinationale Klassen und Übergangsklassen, die in den Klassenstufen 1/ 2, 3/ 4, 5/ 6 und 7/ 9 angeboten werden. Maximal können die Schüler/innen, die am Anfang meist kein Wort Deutsch sprechen, dort zwei Jahre bleiben. Manche gehen aber schon nach drei Monaten wieder. Die Adalbert-Stifter-Schule hat 10 Ü-Klassen mit Schüler/innen aus 48 Nationen. Diese Klassen weisen eine hohe Fluktuation auf, die Bildungsstände, Kulturen, Lebens- und Verhaltensweisen der Kinder und Jugendlichen sind sehr unterschiedlich. Sie leiden unter Existenzängsten. Positiv sind die gute Disziplin und die hohe Motivation zu Lernen.

Das KPZ bietet für diese Zielgruppe der 1. – 10. Klassenstufe neun Veranstaltungen an, mit Besuch der Ausstellung und Praxisteil. Die Angebote sind kostenlos, Dauer 120 Min. Sie sind Dienstag bis Freitag variabel buchbar. Das KPZ greift über die museale Darstellung Themen aus dem Alltag auf, um Begriffe zu vermitteln wie Heimat, Name, Wohnen…. Es wird mit Schildern, Gestik, Mimik, ohne Sprache gearbeitet.  www.kpz-nuernberg.de/kpz/_angebote_schulen_multikulti.shtml

Die Berufsschule B5 und das KPZ arbeiten gemeinsam an dem Projekt „Führungen für Sprachintegrationsklassen an den Nürnberger Museen“

Doris Weber lehrt an der B5 in Nürnberg. Vor fünf Jahren startete die B5 mit sechs Sprachintegrationsklassen mit Berufsvorbereitung, aktuell sind es 15 Klassen (hauptsächlich männliche unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren). Auch hier steht Deutsch im Mittelpunkt.  Dazu kommt Sport, ein Praxistag in Werkstätten verschiedener Berufsschulen oder Exkursionen und am Rande Mathematik. Das zweite Schuljahr gestaltet zu 50 % die B5, der Rest ein anderer Träger, z. B. der Bildungscampus. Ziel ist der Schulabschluss oder Quali. Problem ist, dass die Jugendlichen nach dem ersten Jahr zu alt für weiterführende Schulen sind.

Gesa Büchert arbeitet am KPZ und hat in Kooperation mit der B5 ein Museumscurriculum für Sprachintegrationsklassen entwickelt mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Berufswelt. Über das ganze Schuljahr hinweg kann ein Baukasten mit vier Sequenzen durchlaufen werden. Ziel ist, die Museen kennenzulernen und an Exponaten mit der Methode Zeitleiste, mit Arbeitsblättern und Bildern mit deutschen Untertiteln, das Thema aufzugreifen:

  • Sprechen mit allen Sinnen/ Kommunikation (Telefon, Handy...)
  • Kaufmännischer Bereich im Fembohaus/ Handel (Mittelalter, 19. Jahrhundert, Krieg, Wiederaufbau)
  • Handwerk, Freizeit im Museum Industriekultur (Ende 19., Beginn 20. Jahrhundert Fabrikarbeit)
  • „Kleider machen Leute“ im Germanischen Nationalmuseum/ Kleidung, Porträt, Gemälde

Die Erprobung dieses Projekts wird im Januar 2016 starten. Desweiteren ist ein Leitfaden für Lehrkräfte in Arbeit. Gymnasialklassen sammeln Material zum Thema „Migration“ mit Flüchtlingsklassen. www.geschichtsdidaktik.ewf.uni-erlangen.de

„Nürnberg ist bunt“,  ein Projekt von KUF wirbt für Vielfalt

Willkommenskultur braucht „offene“ Menschen - eine Querschnittsaufgabe für die Stadt. „Nürnberg ist bunt“ will mit vielfältigen Aktionen deshalb die Mitte der Gesellschaft ansprechen. Die Kampagne wird über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und Europamittel finanziert im Rahmen der Stabsstelle „Koordination Integrationsprogramm“ des KUF: www.integration.nuernberg.de Projektleiter Thomas Müller stellt die Bausteine der Kampagne vor, die in Langwasser gestartet ist.

  • Für den Bereich Kultur und Schule empfiehlt er Trainings „Botschafter für Vielfalt“ für Multiplikatoren/innen in Kooperation mit Inkudra: vier Module, die kostenlos angeboten werden.
  • Comic- und Video-Workshops für Schulklassen mit Künstler/innen und pädagogischer Begleitung (Kosten 600 Euro). Die Ergebnisse können als Wanderausstellung ausgeliehen werden.
  • StreetArt „Langwasser ist bunt“ im öffentlichen Raum mit Jugendlichen, angeleitet von einem Künstler
  • NN-Serie: Nürnberg hält zusammen: 30 Elemente zu „Nürnberg ist bunt“

 www.nuernberg-ist-bunt.de