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Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen

Wie sieht gelungene kulturelle Bildung an Ganztagsschulen in Deutschland aus?

Die Bremer Forschergruppe der MUKUS-Studie von 2010 um Prof. Andreas Lehmann-Wermser, der auch das Nürnberger Projekt MUBIKIN – Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg – evaluiert, hat sich dem Thema als Filmemacher genähert. In dem Film „Hammer, Geige, Bühne“ beobachtet er Schülerinnen und Schüler an vier Ganztagsschulen in Bremen und Niedersachsen dabei, wie sie ihre künstlerischen Seiten entdecken und sich in kreativen Projekten in Musik, Kunst und Darstellendem Spiel verwirklichen. Das Fachforum diskutierte auf dem Hintergrund dieses Films die Ganztagesbildung in Kooperation von Schulen mit außerschulischen kulturellen Bildungsträgern in Nürnberg. 

Manfred Ebert vom Städtischen Schulamt und Planer des ganztägigen Lernens in Nürnberg sprach sich ohne Einschränkung für das Lernen mit „Herz, Hand und Verstand“ in Schulen aus. Durch Kontinuität und Zuverlässigkeit solchen Lernens, könne kulturelle Teilhabe im Rahmen der schulischen Bildung verwirklicht werden. Eine Schlüsselstellung nehmen dabei die Schulleitungen und Lehrkräfte ein, die als Mittler fungieren. Seiner Meinung nach muss aber Angebot und Nachfrage noch stärker miteinander verbunden werden, z.B. über einen „Marktplatz“, der den Kultur- und Schulservice Nürnberg ergänzen könnte.

Wie geht es weiter mit der Ganztagsbildung in Nürnberg

Es braucht (neue) Schulen, die ganztagstauglich sind - mehr Raum, mehr Lehrerstunden, mehr finanzielle Mittel, mehr Zeit und Kontinuität. Die Stellschrauben werden über die „Schulentwicklung“ gestellt. Ein Modell der Ganztagsschule wird mit der Grundschule St. Leonhard entwickelt, die 2016/ 2017 an den Start geht. Bildung, Betreuung und Förderung soll hier in Kooperation mit dem Stadtteilumfeld organisiert werden.

Hans Hungriger leitet im Amt für Kultur und Freizeit mit dem KinderKunstRaum eine spezielle „Kinder- und Jugendkunstschule“, die, angesiedelt im Kinderkulturzentrum Kachelbau, bisher mit ca. 90 % der Angebote Workshops und Projekte mit Künstlerinnen und Künstlern in Nürnberger Schulen vermittelt und organisiert. Schwerpunktmäßig finden diese in Grund-, Mittel- und Förderschulen statt, den Unterricht ergänzend oder in Neigungs-AGs, als Großprojekt an einer Schule (Schülerbaustelle), als Reihen mit Abschlusspräsentationen (Weltreise) oder in einzelnen bzw. dreitätigen Projekttagen (z.B. Mobile Buchwerkstatt). Die Prinzipien der kulturellen Bildung, ausreichend Zeit für den kreativen Prozess, Freiwilligkeit und keine Leistungsbewertung, sind ihm dabei sehr wichtig.

Kulturelle Bildung mit Kooperationspartnern verlangt von Lehrkräften  viel Engagement, so dass der Wunsch nach kontinuierlichen, zuverlässigen Partnerschaften mit qualitätsvollen Angeboten groß ist. Der Prozess der Ganztagsschulentwicklung der Grundschule St. Leonhard ist ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist, bei den Planungen alle möglichen kulturellen Stadtteilpartner mit einzubeziehen, um sie in einen rhythmisierten Ganztagsschulablauf zu integrieren. Die Voraussetzungen sind durch die räumliche Nähe der kulturellen Kooperationspartner und die Stadtteilkoordination vor Ort sehr gut. Sie werden jedoch durch die finanziellen und personellen Ressourcen eingeschränkt. Beispielhafte Konzepte der Vernetzung von Kultur und Schule, wie der „Kulturrucksack“ oder die Bamberger „Kultur.Klassen“, könnten hier in Bezug auf die konkreten Bedürfnisse der Schulen in Nürnberg hin überprüft werden. Die Stadtpolitik ist hier gefordert.