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World Cafè zur Zusammenarbeit von Kultur und Schule bei der Integrationsarbeit – eine Zusammenfassung

13. 10. 2015

Eingeladen hatte das Staatliche Schulamt in der Stadt Nürnberg, das Amt für Kultur und Freizeit und der Kultur- und Schulservice Nürnberg als Fortsetzung zum Fachforum im Juni 2015 mit dem Thema „Ankommen – eine Aufgabe für die Kulturelle Bildung“.

Stefan Kuen, Leiter des Staatlichen Schulamts in Nürnberg, begrüßte die Teilnehmer/innen

Das Staatliche Schulamt ist für die Einrichtung der Übergangs- und Sprachförderklassen in Nürnberger Grund- und Mittelschulen zuständig, in die Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse aufgenommen werden (Kinder aus der EU, Kinder von Mitarbeiter/innen global agierender Firmen...). Flüchtende Kinder und Jugendliche machen darin ca. 20 % aus und sind mehr in den höheren Klassenstufen zu finden. Dort können sie zwei Jahre bleiben, bevor sie in die Regelklasse übergehen oder andere Schulwege beschreiten. Neu ist die Möglichkeit, einen Mittelschulabschluss zu erlangen. In der Regel wechselt die Schülerschaft während des Schuljahres ca. um die Hälfte.

11 Standorte für  insgesamt 50 Ü-Klassen gibt es aktuell mit ca. 900 Schüler/innen, neun Klassen mehr als im letzten Schuljahr. Diese sind nicht Sprengel bezogen belegt. Sie werden nach Raum- und Personalkapazitäten eingerichtet. Restkapazitäten für weitere 100 Schüler/innen sind vorhanden. Dazu kommen noch 42 Sprachintegrations-und Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen mit ca. 900 Jugendlichen im Alter von 17 – 25 Jahren.

Insgesamt gibt es in Nürnbergs Schulen ca. 60 % Schüler/innen mit Migrationshintergrund, in manchen Schulen fast 0%, in anderen fast 100 %.2.

Kurzberichte der Gastgeber/innen an den Tischen im World Cafè

Sprachlos und traumatisiert? Wie erleben wir junge Migranten/innen? (Claudia Neugebauer, KUF)

Die Erfahrungen zeigen, dass sich bei der Integrationsarbeit einfache Sprache, unterstützt durch Handzeichen und Bewegungen sowie ergänzende Bilder, bewährt hat. Bilder dann auch dabei helfen, wichtige Fachausdrücke zum Beispiel im Berufsschulbereich zu vermitteln. Vorsicht: Nicht alle Kinder sind  gleich traumatisiert, nur weil sie die deutsche Sprache nicht/schlecht verstehen und sprechen.

Eine Sensibilisierung der Lehrkräfte, für die speziellen Umstände der Arbeit mit jungen Migranten/innen, erscheint allen Teilnehmer/innen unumgänglich. Aber auch die Frage, wie es nach einem Schultag für geflüchtete Kinder und Jugendliche weitergeht, beschäftigte die Anwesenden. Können sie einen Hort oder eine Ganztagesbetreuung besuchen oder werden sie anderweitig ausreichend sozial versorgt?

Eingriff gelungen, Patient tot? Wann kann Integration als gelungen gelten? (Sylvia Kohlbacher, KUF)

Voraussetzung für Integration ist der gegenseitige Wille und die Offenheit dazu. Ein Hemmnis der Integration stellt nach Meinung einiger Teilnehmer/innen das unterschiedliche Frauen- und Männerbild in den Kulturen dar.

Wo fängt Integration an und wo hört sie auf? Integration beginnt damit sich selbst zu akzeptieren, um auch andere akzeptieren zu können. Die Beantwortung der Frage ist auch davon abhängig, welche Altersgruppe in Betracht gezogen wird. Bei dem Thema Integration muss nicht nur an die Kinder, sondern auch an deren Familien gedacht werden. Wichtig war es den Teilnehmer/innen, dass schon in der Ausbildung der Pädagogen/innen großer Wert auf Kommunikationsfähigkeit gelegt wird.

Die Eier legende Wollmilchsau? Welche Ressourcen brauchen Pädagogen/innen aus Schule und Kultur für die Integrationsarbeit? (Brigitte Schönig, KUF)

Neben einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber den verschiedensten kulturellen Prägungen der Kinder und Jugendlichen, bedarf es eines hohen Engagements und Empathie der Lehrkräfte in Übergangs- oder besser "Sprachlernklassen" (weil positiver wahrgenommen). Wichtig sind Begegnungen mit Regelklassen in der Schule, Begegnungen im Stadtteil und in Kulturprojekten, die Anlässe für Kommunikation (auch ohne Sprache) bieten.

Neben der Unterstützung durch Schulpsychologen/innen, Supervision und Interkulturelle Trainings für die Pädagogen/innen und Zugängen zu  spezifischem Wissen über andere Kulturen, wünschen sich die Teilnehmer/innen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch und für Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Die engagierte Lehrkraft kann es nicht alleine richten. Gefragt sind multiprofessionelle Teams. Kulturpartner können im Austausch mit den Schulen passgenaue Angebote entwickeln.

Gemeinsam geht es besser? Können Kooperationen von Kultur und Schule die Integrationsarbeit befördern? (Hans Hunglinger, KUF)

Das Fragezeichen wurde einvernehmlich gestrichen. Es bestand Einigkeit über die Notwendigkeit gemeinsamer Aktivitäten. Einige kulturelle Bildungsangebote wurden vorgestellt, wie theaterpädagogische Angebote von Theater Mummpitz, z.B. „Abenteuer Sprache“, das Stück „Ausgebüxt“ und der Kulturrucksack, Angebote des Turm der Sinne, spezielle Projekte des KinderKunstRaum für Flüchtlingskinder, Angebote des KPZ etc. Beiu der Auswahl ist Kultursensibilität sehr wichtig. Manchmal fehlen Ansprechpartner/innen in den Institutionen, damit die richtigen Angebote an die richtige Stelle kommen. Ein Vorschlag war, die verschiedensten Angebote zu katalogisieren. Ein Problem ist, dass es keine strukturelle Förderung oder gar eine stabile Finanzierung der Projekte gibt.

Was war für die Anwesenden besonders wichtig für die Zusammenarbeit?

(Inter)Kulturelle Bildung mit außerschulischen Kulturpartnern ist als Ergänzung der schulischen Bildung beim Thema "Willkommenskultur" unabdingbar. Die Finanzierung dieser sinnvollen Zusammenarbeit sollte mit dafür definierten Fördertöpfen sichergestellt werden. Nur eine nachhaltige, strukturell angelegte Förderung kann Planungssicherheit bieten. Die Schulverwaltung ist gefordert, die Fördermöglichkeiten für interkulturelle Projekte zusammenzustellen und zu veröffentlichen.

Der kontinuierliche Austausch und die Vernetzung der betroffen Berufsgruppen, Schul-, Kultur- und Sozialpädagogen/innen und Schulpsychologen/innen, soll ebenfalls strukturell verankert werden. Ein Katalog kannTransparenz schaffen und Anbieter/ Angebote (inter)kultureller Bildung und Finanzierungsmöglichkeiten zusammenfassen.

Der Wunsch nach gemeinsamen Fortbildungen zur interkulturellen Kompetenz und zu den psychosozialen Hintergründen von traumatisierten Schüler/innen stand mit an vorderster Stelle. Durch gegenseitige Unterstützung der Schul-, Kultur-, Sozialpädagogen/innen und Schulpsychologen/innen, kann das Ziel der Integration besser erreicht werden. Das beginnt bei der Bereitstellung von Räumen über das Organisieren von Begegnungen zwischen Schülergruppen oder mit Stadtteilbewohner/innen und endet bei der Elternarbeit. Schließlich muss der Spagat zwischen Eingliederung und eigener Kultur der Schüler/innen bewältigt werden.