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Preisträger 2016

Jury

  • Inge Gutbrod, Künstlerin
  • Bernhard Jehle, Institut für Pädagogik und Schulpsychologie, IPSN
  • Annika Peißker, Nürnberger Nachrichten
  • Dr. Leopold Klepacki, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Pädagogik

Aus vier Einreichungen wurde ausgewählt:

"Social Media"

Kooperationspartner: Theater AG der Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule und das Gostner Hoftheater

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Laudatio zur Verleihung des Paula-Maurer-Preises 2016

von Dr. Leopold Klepacki

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Erwachsene!

Mit dem Paula-Maurer-Preis werden nun schon seit über 10 Jahren herausragende und innovative Kooperationsprojekte zwischen schulischen und außerschulischen Partnern gewürdigt, die es SchülerInnen und Schülern in einer besonderen Art und Weise ermöglichen, an Kultureller Bildung teilzuhaben – oder sollte ich vielleicht besser sagen: in denen SchülerInnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, selbst künstlerisch-kulturell tätig zu werden und kreativ-gestaltend wirksam zu werden? Denn genau diese besonderen Formen von Selbsttätigkeit, diese ästhetischen Aktivitäten sind es meines Erachtens, die Kulturelle Bildung im Kern ausmachen. Die Welt und die Wirklichkeit ästhetisch zu gestalten und dadurch selbst Bildungsprozesse zu durchlaufen, das ist es, was in meinen Augen Kulturelle Bildung wertvoll macht. Das klingt sehr bedeutungsvoll und auch einer Laudatio angemessen, aber doch auch irgendwie ziemlich akademisch.

Also konkret: Der Paula-Maurer-Preis 2016 geht an das Gostner-Hoftheater (GHT) und die Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule (JDP-Schule) bzw. – soviel Genauigkeit muss dann doch sein – die Theater AG der JDP-Mittelschule – übrigens: eine Schule, die mit dem Siegel „Innovativschule“ der Friedrich-Alexander-Universität ausgezeichnet wurde.

Ich glaube, dass es dafür an der JDP-Schule viele gute Gründe gibt; ein – wie ich finde – sehr guter Grund ist eben die Kooperation mit dem GHT. Nicht nur, dass das GHT seit vielen Jahren Kulturpartner der JDP-Schule ist, nein, es sind v.a. die Themen und die künstlerischen Arbeitsweisen, die es den SchülerInnen und Schülern der Preißler-Theater AG ermöglichen, zugleich selbst künstlerisch wirksam zu werden und sich mit Fragen und Themen auseinanderzusetzen, die sie im Alltag beschäftigen. Das aktuelle Thema „Social Media“ wählten die Schülerinnen und Schüler vor dem Hintergrund des Vorjahresprojekts „Stop Bullying! Preißler zeigt Respekt!“. Das Internet bzw. die sozialen Medien spielen natürlich eine zentrale Rolle im Leben von jungen Menschen. Soziale Medien schaffen Ausdrucks-, Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten und werden so Teil des Alltags. Man ist eben „online“, man ist auf facebook oder snapchat präsent, man whatsappt oder man postet Bilder bei instagram. Man ist in einer großen Gemeinschaft. Dadurch wird man aber auch eine öffentliche Person, man zeigt und präsentiert sich und man hat vielleicht Angst etwas zu verpassen, deshalb muss man möglichst immer und überall seine Nachrichten „checken“ und: man gibt etwas von sich Preis – nicht zuletzt persönliche Daten oder die Spuren, die man beim Surfen im Internet hinterlässt und die – zu welchen Zwecken auch immer – von Providern ausgewertet werden.

Diese Themen und Fragen hat die Theater AG zusammen mit dem GHT in eine vielschichtige Szenencollage gebracht, die in einem – auch an der Schule von Schülerinnen und Schülern angefertigten – Holzlabyrinth als Sinnbild des world wide web, präsentiert wurde. Mehrere Aufführungen, in denen die Zuschauer als „Datenpakete“ durch das Labyrinth des www geführt wurden, schlossen das Projekt erfolgreich ab.

Besonders bemerkenswert ist es dabei, dass der diesjährige Paula-Maurer-Preis an ein Kooperationsprojekt vergeben wird, das den Kern der Idee des Paula-Maurer-Preises getroffen hat: Das Projekt führt in einer vorbildlichen Art und Weise die Schule und einen außerschulischen Partner zusammen, der Lernort Schule wird inhaltlich und formal weiterentwickelt, bei den Schülerinnen und Schülern werden ganzheitliche kulturelle Bildungsprozesse angestoßen und – und das ist für mich persönlich besonders wichtig – die Schülerinnen und Schüler gestalten das Projekt ganz zentral selbst mit. Und nicht zuletzt hat sich hier in den letzten fünf Jahren eine Kooperation entwickelt, die nicht nur punktuell-projektbezogen ist, sondern die eine nachhaltige Struktur entwickelt hat. In einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen ist das in meinen Augen besonders erwähnenswert, da sich hier noch ein besonderes Qualitätskriterium zeigt, das für den gesamten Bereich der Kooperation im Kontext Kultureller Bildung Vorbildcharakter hat bzw. haben sollte. Projekte sind gut und wichtig, aber der Aufbau von Strukturen, von dauerhaften Formen der Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern ist es, der in meinen Augen in den nächsten Jahren gerade auf kommunaler Ebene vorangetrieben werden muss!

Von daher: Liebe JDP-Mittelschule, liebes GHT, ihr habt euch diesen Preis wirklich verdient, weil ihr euch um die nachhaltige und strukturelle Weiterentwicklung von Kultureller Bildung in der Stadt Nürnberg verdient gemacht habt! Vielen Dank dafür!